Saturday, June 14, 2008

Trap ist gelandet

Seit Tagen zirkuliert ein YouTube-Video im irischen E-Mail-Verkehr. Ein älterer Herr im Anzug hält eine Rede vor Journalisten und Sportfunktionären. Brocken aus Englisch, Deutsch und Italienisch holpern durcheinander, ihre Aussage bleibt trotz Untertiteln unklar. Eindeutig: „Trap“ ist auf der grünen Insel gelandet!

Seitdem Ex-Salzburger Giovanni Trapattoni offiziell als Trainer des irischen Teams auftritt, schöpft die geschundene Seele des irischen Nationalfußball-Fans wieder Hoffnung. Schließlich liegen die Glanzzeiten der „Jungs in Grün“ schon 18 Jahre zurück. Damals überstand die Nationalelf nicht nur erstmals in ihrer Geschichte die WM-Qualifikationsrunde sondern zog 1990 in Italien sogar ins Viertelfinale ein. Gegen Italien war jedoch Schluss - da half auch keine Mannschafts-Audienz beim Papst. Trotzdem: Zu einer Zeit, als das irische Wirtschaftswunder eine vage Zukunftsvision war, versetzten Jackie Charlton und seine Mannen das von wirtschaftlichen und sozialen Problemen geplagte Irland in einen kollektiven Freudentaumel.

Im Gegensatz zur Wirtschaft dümpelt der irische Fußball seitdem in mehr oder weniger tiefer Depression. Auch an der kommenden EM nehmen die Iren nur vor dem Fernseher teil. Da muss als einziger Trost herhalten, dass auch Erzrivale England schon in der Vorrunde die Segel streichen musste. Dabei ist die Loyalität der irischen Fußballfans ungebrochen: Sogar Begegnungen gegen Zypern oder San Marino, die kaum Sternstunden der Fußballgeschichte versprechen, füllen alle 80.000 Plätze des Dubliner Croke Park Stadions.

Und wer ist Schuld an der Misere? Simon, der Fußballfan meines Vertrauens, beklagt vor allem das Unvermögen des geschassten Trap-Vorgängers Staunton, der die von der Englischen Liga verwöhnten Exil-Spieler weder inspirieren noch disziplinieren konnte. So hatte der als größtes Talent der letzten Jahre geltende Mittelfeldspieler Stephen Ireland seine Teilnahme am EM-Qualifikationsmatch gegen Tschechien abgesagt, weil seine Großmutter verstorben sei. Tage später enthüllte die Presse, dass sich beide Großmütter robuster Gesundheit erfreuten.

Kein Wunder, dass man sich von „Il Capo“ nun (groß)väterliche Strenge erwartet. Die Hoffnungen sind klar definiert: Irland soll bei der WM 2010 in Südafrika für Überraschungen sorgen. Als Gegenleistung vergeht kein Tag, an dem die Aktivitäten des Retters der Fußballnation nicht wohlwollend besprochen werden. Sogar Traps Englischkenntnisse bezeichnen die Medien in typisch irischer Großzügigkeit als „decent“ (ordentlich).

Heimlich spitzt die irische Boulevard-Presse jedoch die Stifte. Man will gerüstet sein, falls der Honeymoon zwischen Trapattoni und seiner neuen Truppe schon nach dem ersten Match gegen Serbien endet. Denn neben massentauglichen Wutreden bietet die lebende Trainerlegende ein ganzes Arsenal an Möglichkeiten für die unter Sportjournalisten beliebten Wortspiele. Jüngste Schöpfung, gesehen auf dem Satire-Blog gubuwire.ie: Die Trap Family – eine Anspielung auf Trapattonis „alte Heimat“ Salzburg. In diesem Sinne: Go, Trappa Khan!

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